ROMEO UND JULIA

Ein Nachbericht zu ROMEO UND JULIA

Die Vorstellung, Romeo und Julia sind gar nicht gestorben, sondern haben nur durch einen geschickten Trick ihre Eltern dies glauben lassen, ist im ersten Moment etwas befremdlich.

Kennt man doch die Story nicht anders.

Diese Inszenierung möchte mit zwinkerndem Auge beweisen, dass die Tragödie nur deshalb solchen Anklang fand und immer noch findet und die Liebe auf ihrem Höhepunkt sterben muss, denn sonst hat sie ein Ablaufdatum.

Genau das wird in dem Stück wiedergegeben. Romeo und Julia, dreißig Jahre später, beide schon etwas in die Jahre gekommen und vertreiben sich ihre Zeit. Ihre gemeinsame Ehe und das Ideal der ewigen Liebe, das sie für alle anderen verkörpern, ödet sie an.

Sie wollen einander nur mehr aus dem Weg gehen und haben kein Interesse am anderen. Romeo vergnügt sich mit jüngeren Gespielinnen, unter anderem der Dienstmagd des Hauses, muss aber auch des Öfteren auf „Geschäftsreise“, wo er eine weitere Geliebte besucht. Allen verspricht er, sich alsbald von seiner Frau zu trennen, was er jedoch nicht wirklich in Betracht zieht.

Auch Julia wird gefühlsmäßig von der Tatsache verwirrt, dass Paris, ihr ursprünglicher Verlobter, wiedergekehrt ist. Leider entpuppt sich die Erscheinung des Paris als Enttäuschung und sie versucht seinen Avancen zu entkommen. Doch der Pfeil des Amors trifft auch sie, in Gestalt des Kapitäns des Handelsschiffes ihres Mannes Romeo.

Der Sproß der beiden, Romeo junior, leidet zunehmend unter der Situation. Er kann keine Beziehung eingehen, weil er aufgrund seines Namens sofort mit seinem Vater verglichen wird und damit auch unter dem Zwang unerreichbarer Romantik und Tragik steht. Diesen Druck möchte er loswerden und verheimlicht auch seiner Angebeteten seinen Namen, wodurch es erst zu der komischen Szene kommen kann, dass sie sich auf ihn einlässt ohne zu wissen, dass ihr voriger Geliebter dessen Vater ist.

Die Situation spitzt sich zu als die Landesgräfin beschließt, den 30. Hochzeitstag des Paares mit einer erneuten Hochzeit ganz groß zu feiern. Romeo und Julia sind davon alles andere als begeistert. Sie erfahren jedoch, dass ihre Ehe eigentlich, streng genommen, seit jeher ungültig war, da sie nicht vor Zeugen geschlossen wurde. Die beiden sind darüber durchaus erfreut und versuchen diese Hochzeit mit allen Mitteln zu torpedieren.

Sie entschließen sich wieder eine List anzuwenden und gestehen sich, dass ihre Liebe verflogen ist, dass sie dieses ewige Versprechen nicht halten konnten, aber möchten, dass der andere ein glückliches Leben führen kann und geben sich damit gegenseitig frei.

Jedoch findet ihre neu gefundene Freiheit, die sie sich trotz aller gesellschaftlich auferlegten Konventionen gegenseitig zugestehen, dann doch ein jähes Ende, denn wahre Liebe kann nur im Tod enden. So betrachtet verkörpern Romeo und Julia dann doch wieder das Klischee der Liebe und werden zu tragischen Figuren.

 

Die Inszenierung war fabelhaft besetzt, die Abwechslung von Dialekt und hochgeistiger literarischer Sprache verleitet zum Schmunzeln. Viele zweideutige Anspielungen lassen den Gedanken freien Lauf und die Pointen sind gut und mitreißend gesetzt. Trotz der langen Dauer (es waren doch ca. dreieinhalb Stunden mit Pause) wurde es nicht langatmig und konnte bis zum Schluss die Komik beibehalten. Der Schluss kam etwas überraschend und vor allem schnell, jedoch war dies wohl die einzige Möglichkeit, die Situation angemessen bzw. realistisch, wenn man dies in dem Zusammenhang sagen darf, aufzulösen.

Alles in allem konnte man dieses Stück guten Gewissens weiterempfehlen und man kann sich bereits auf die neuen Ideen, von denen es so manche gibt, wie man hört, aus der Feder Michael Niavaranis schon freuen.